Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Geschichte der Psychoanalyse in Polen und der Tschechoslowakei

Biografien

Polen
Tschechoslowakei
Sozialismus und Neuanfang

Nach Kriegsende galt die Freudsche Lehre wie in den anderen sozialistischen Ländern auch in Polen als imperialistische bürgerliche Ideologie. Erst Ende der 1950er Jahre gab es bei Ärzten und Psychologen wieder ein größeres Interesse für die Psychoanalyse. Aus Mangel an polnischen Lehranalytikern musste die neue Psychoanalytikergeneration ihre Ausbildung in Prag und in Budapest absolvieren, so Jan Malewski, Zbigniew Sokolik und Michael Lapinski. 1963 gründete Malewski das Ośrodek Psychoterapii in Rasztów, das erste psychoanalytisch orientierte Psychotherapiezentrum in Polen. Malewski und Lapinski emigrierten nach Heidelberg bzw. Australien, während Sobolik in Warschau blieb.
Seit den 1970er Jahren wurde die Psychoanalyse an der Psychiatrischen Universitätsklinik Warschau und am Institut für Psychologie gelehrt und angewendet. Anfang der 1990er waren ca. dreißig Mitglieder in der psychoanalytischen Abteilung der Polnischen Gesellschaft für Psychologie organisiert. Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers entstanden Anfang der 1990er Jahren das von Katarzyna Walewska geleitete Instytut Psychoanalizy i Psychoterapii (IPP) und die Polskie Towarzystwo Rozwoju Psychoanalizy [Polnische Gesellschaft für die Entwicklung der Psychoanalyse], deren Erste Vorsitzende Elzbieta Bohomolec war. 1997 ging daraus die Polskie Towarzystwo Psychoanalityczne (PTPa) hervor, deren erste Präsidentin von 1997 bis 2001 Anna Czownicka war. Die PTPa ist Mitgliedsgesellschaft der IPV und hat derzeit 42 Mitglieder.



Durch den Prager Frühling belebte sich die psychoanalytische Bewegung der ČSSR in den 1960er Jahren wieder, wurde aber mit dem Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen 1968 erneut in ihrer Entwicklung behindert, auch wenn die Psychoanalyse selten öffentlich angegriffen wurde. Psychoanalytisch Interessierte organisierten sich in der Psychotherapeutischen Abteilung der J. E. Purkyne Psychiatrie-Gesellschaft und gründeten schließlich 1988 eine eigenständige Fachgruppe für Psychoanalyse. 1990, nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes, wurde in Prag die Česká Psychoanalytická Spolecnost (ČPS) gegründet, die zu der Zeit aus zwanzig Mitgliedern bestand. Ihr erster Präsident war der Dosužkov-Schüler Miroslav Borecký. Seit 1989 erscheint zweimal im Jahr die Zeitschrift Psychanalytický sborník.



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