Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Geschichte der Psychoanalyse in Italien

Biografien

Das Schwergewicht der SPI lag lange auf der klassisch freudianischen Theorie, wie sie Musattis berühmtes Trattato di psicoanalisi seit 1949 vermittelte. Stark vertreten sind bis heute die Strömungen der englischen bzw. kleinianischen Psychoanalyse, aufgegriffen u. a. von den namhaften Repräsentanten der dritten Generation Franco Fornari, Eugenio Gaddini und Francesco Corrao. Der in Italien kaum verankerte Lacanianismus ist vor allem mit dem Namen Muriel Drazien verbunden, die 1982 mit La Cosa Freudiana die erste lacanianische Vereinigung in Italien gründete.
Nach den institutionskritischen Turbulenzen der 1960er und 1970er Jahre - aufseiten der Kritiker besonders Enzo Morpurgo und Giovanni Jervis - entstanden unabhängig von den drei Lehrinstituten der SPI in allen größeren Städten Italiens psychoanalytische Zentren: neben den ersten Zentren in Rom und Mailand auch in Bologna, Florenz, Palermo, Neapel, Venedig, Genua und Turin (SPI-Zentren). Anfang der 1990er Jahre umfasste die SPI rund 500 Mitglieder. Neben der SPI bildeten sich die Associazione di Studi Psicoanalitici (ASP), seit 1989 Mitglied der International Federation of Psychoanalytic Societies (IFPS), und die Associazione Italiana di Psicoanalisi (AIPsi), die sich 1992 von der SPI abspaltete und ein Jahr später von der IPA anerkannt wurde. Zu ihren Gründungsmitgliedern zählten Emilio Servadio und Jacqueline Amati-Mehler.

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