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Edith Ludowyk-Gyömröi (Ungarn) Freny Mehta Rafah Nached Kamalini Sarabhai Elise Snyder Teresa Yuan |
Die indische Philosophin und Psychoanalytikerin Freny Mehta studierte Philosophie und Psychologie an der Universität Bombay und machte dort ihren Masterabschluss. Ihr Denken wurde besonders geprägt durch den indischen Philosophen Joseph Casimiro Patrocinio d'Andrade, der bis 1949 am Elphinstone College der Universität lehrte. 1952 begann sie ihre psychoanalytische Ausbildung am Indian Psychoanalytical Institute in Bombay und wurde im gleichen Jahr außerordentliches Mitglied der Indian Psychoanalytical Society. Seit Anfang der 1960er Jahre praktizierte sie als Psychoanalytikerin in Bombay, wobei sie sich auf die Behandlung von Frauen und Kindern spezialisierte.
Von 1966 bis 1978 war sie Direktorin des Indian Council for Mental Health (ICMH) in Bombay, einer psychoanalytisch orientierten Einrichtung, deren psychiatrisch ausgebildeten Sozialarbeiter in Schulen und Colleges lehrten und beraterisch tätig waren. Freny Mehta legte großen Wert darauf, dass sich ihre Mitarbeiter einer persönlichen Analyse unterzogen. 1978 reiste sie nach England und nahm dort an philosophischen und psychoanalytischen Seminaren teil.
Nur wenige indische AnalytikerInnen haben sich wie Freny Mehta mit der Weiterentwicklung der Freudschen Metapsychologie beschäftigt. So führte sie z. B. neben dem strafenden Über-Ich eine freundliche Elterninstanz ein, die sie „benign conscience“ [gutartiges Gewissen] nannte. Eine Revision der Metapsychologie auf der Grundlage einer Zusammenführung von Ansätzen der britischen Psychoanalyse, Jean Piagets, der Gestalttheorie und des englischen Idealismus bietet das von ihr herausgegebene Buch The Scientific Consensus and Recent British Philosophy.
Rafah Nached, die erste Psychoanalytikerin in Syrien, wurde in Halab [Aleppo] in Syrien geboren. Sie studierte Philosophie an der Sankt-Joseph-Universität in Beirut und Klinische Psychologie und Psychoanalyse an der Universität Paris-VII bei Sophie de Mijolla. Nach Abschluss ihres Studiums und einer Lehranalyse in Paris ging sie zurück nach Syrien und begann 1985 mit ihrer psychoanalytischen Arbeit in Aleppo in einem psychiatrischen Hospital.
Mitte der 1990er Jahre ließ sie sich als Psychoanalytikerin in Damaskus nieder. Es gelang ihr, im jesuitischen Zentrum eine Vorlesungsreihe über Psychoanalyse zu etablieren und auf diese Weise gegen institutionelle und kulturelle Widerstände psychoanalytisches Wissen zu verbreiten. Im Jahr 2000 gründete Rafah Nached mit der Unterstützung französischer KollegInnen eine Schule für Psychoanalyse in Damaskus, wo bis heute psychoanalytische Ausbildung und Forschung stattfindet. Inzwischen praktizieren sechs Analytiker in Syrien.
Rafah Nached vertritt den Ansatz Jacques Lacans und setzt sich besonders mit der Adaptation der Psychoanalyse an die arabische Kultur und Sprache auseinander. In diesem Zusammenhang schlägt sie eine Öffnung zur sufistischen Mystik und deren Beziehung zur "jouissance" vor, wodurch ihrer Meinung nach die Sprache Lacans in der arabischen Welt besser verstanden werden könnte. Diese Frage war auch Thema des internationalen Symposiums "Le féminin dans l'expérience mystique et la psychanalyse", das sie 2010 gemeinsam mit Pierre Bruno in Damaskus veranstaltet hat.
Nach Beginn des Volksaufstandes in Syrien im Frühjahr 2011 organisierte Rafah Nached zusammen mit dem Jesuitenpater und Psychoanalytiker Rami Elias einen wöchentlichen Workshop, in dem Menschen aller Konfessionen und politischen Richtungen über ihre Angst angesichts der täglichen Gewalt sprechen konnten. Im September 2011 wurde die 66-jährige Analytikerin festgenommen und inhaftiert, nach internationalen Protesten jedoch zwei Monate später wieder freigelassen.
Rafah Nached ist mit Faisal Abdullah verheiratet, Professor für Alte Geschichte an der Universität Damaskus. Ihre Tochter lebt in Frankreich.

Die indische Psychoanalytikerin Kamalini Sarabhai wurde durch ihre Heirat mit Gautam Sarabhai (1917-1995) Mitglied einer Familie reicher Textilindustrieller in Ahmedabad, Gujarat. Die Sarabhais, deren Rolle im Leben Mahatma Gandhis der Psychoanalytiker Erik H. Erikson in seinem Buch Gandhi's Truth beschrieben hat, setzten ihren Reichtum auch für soziale Zwecke und zur Förderung von Kunst und Wissenschaft ein.
Kamalini Sarabhai ging in den 1940er Jahren mit ihren beiden Töchtern nach London, wo sie eine sechsjährige psychoanalytische Ausbildung bei der British Psychoanalytical Society (BPAS) und der Tavistock Clinic absolvierte. Ihr Interesse galt besonders der kindlichen Entwicklung. Zurück in Ahmedabad gründete sie 1949 Balghar School, einen experimentellen Kindergarten (heute Vorschule), wo Kinder ohne äußeren Zwang lernen können.
1951 gründete Kamalini Sarabhai in Ahmedabad zusammen mit ihrem Mann und dem amerikanischen Psychologenehepaar Lois und Gardener Murphy das Bakubhai Mansukhai Institute of Mental Health, abgekürzt BM Institute, nach dem Vorbild der Tavistock School of Family Psychiatry and Community Mental Health. Das damals psychoanalytisch orientierte BM Institute, dessen Direktorin Kamalini Sarabhai bis zu ihrem Tod war, arbeitete eng mit der Londoner Tavistock Clinic und deren Direktor Jock Sutherland zusammen. Erik H. Erikson, der 1962 ein Seminar am BM Institute abhielt, berichtete von einer Untersuchung über die Spielgestaltung indischer Vorpubertierender, die Kamalini Sarabhai dort leitete.

Elise Snyder, die Präsidentin der China American Psychoanalytic Alliance (CAPA), wuchs in New York als Tochter des Rechtsanwalts Harry Wechsler auf. Ihre Mutter Dora Wechsler war Buchhalterin. Mit vierzehn entdeckte sie in einer Leihbücherei der Bronx die Werke Sigmund Freuds, mit sechzehn machte sie ihre erste Analyse. Sie studierte am Medical College der Columbia-Universität, wo sie 1958 den MD erwarb, und spezialisierte sich als Psychiaterin. Ihre psychoanalytische Ausbildung absolvierte sie am Western New England Institute for Psychoanalysis und wurde Mitglied der American Psychoanalytic Association (APsaA).
Noch während ihres Studiums heiratete Elise Wechsler den Medizinprofessor Arthur Snyder, von dem ihre beiden Töchter stammen. Später ließ sie sich scheiden, um Victor Rosen (1911-1973), ihren ehemaligen Analytiker, zu heiraten. Als sie ihn nach siebenjähriger Ehe verließ, beging Rosen Selbstmord. Elise Snyders dritter Mann war Kunsthistoriker. 1986 lernte sie Michael Holquist kennen, Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft und Slavistik an der Yale University, mit dem sie seit 1999 verheiratet ist.
2001 nahm Elise Snyder anlässlich einer Tagung in Peking Kontakt zu einer Gruppe von Professoren und Studenten aus Chengdu auf, die großes Interesse an der Psychoanalyse zeigten. Im darauf folgenden Jahr gründete Snyder die China American Psychoanalytic Alliance, um die Ausbildung chinesischer Psychiater und Psychologen durch amerikanische Analytiker_innen zu organisieren.
Seitdem führt die CAPA unter Elise Snyders Leitung Ausbildungsanalysen mit chinesischen KandidatInnen per Skype durch. An einer 2008 von der CAPA gestarteten zweijährigen Ausbildung in psychoanalytischer Psychotherapie beteiligten sich StudentInnen aus über zehn Städten in China.
Elise Snyder lebt heute in Lower East Side, New York, und lehrt als Associate Clinical Professor für Psychiatrie an der Yale University School of Medicine in New Haven. Ein- bis zweimal im Jahr verbringt sie einen Monat in China, um Vorlesungen und Supervisionen abzuhalten.

Teresa Ana Yuan ist eine in Argentinien geborene Psychoanalytikerin mit chinesischem Hintergrund. Ihr Vater stammte aus Kwangton in China und war 1929 nach Argentinien emigriert, ihre Mutter kam aus Syrien. Teresa Yuan studierte Psychologie in Buenos Aires und war von 1980 bis 1986 im Department für Medizinische Psychologie der Universidad de Buenos Aires tätig. Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt sie am Angel-Garma-Institut, dem Lehrinstitut der Asociación Psicoanalítica Argentina (APA). Sie ist Mitglied und Lehranalytikerin der APA und lebt in Buenos Aires.
1995 kam Teresa Yuan erstmals nach China, um psychoanalytische Psychotherapie am Child Psychiatric Institute der Medical University und am Anding Psychiatric Hospital in Peking zu lehren. Von 1997 bis 2000 war sie die Vertreterin Chinas im Asien-Komitee der International Psychoanalytical Association (IPA), wo sie von 2000 bis 2001 die China Division leitete. Ab 2002 veranstaltete sie an dem von Yang Yunping geleiteten Department für Klinische Psychologie im Anding Psychiatric Hospital die ersten psychoanalytischen Ausbildungsseminare für chinesische Psychiater und Psychotherapeuten. Weitere Seminare folgten in Xian, Hongkong und Taiwan.
Teresa Yuans wissenschaftliches Interesse gilt besonders der Psychoanalyse unter verschiedenen kulturellen und sprachlichen Bedingungen.