Esther Aptekmann stammte aus einer jüdischen Familie in Ekaterinoslaw in Süd-Russland. 1903 begann sie ein Medizinstudium in Bern, das sie ab 1906 in Zürich fortsetzte. Hier schloss sie sich der 1907 ins Leben gerufenen Gesellschaft für Freudsche Forschungen um Eugen Bleuler und Carl Gustav Jung an, bei dem sie wie Sabina Spielrein auch in Analyse war. 1910 absolvierte Esther Aptekmann ein Praktikum an der psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli und promovierte danach mit einer von Jung betreuten Arbeit über Experimentelle Beiträge zur Psychologie des psychogalvanischen Phänomens.
Nach Beendigung ihres Studiums kehrte Esther Aptekmann nach Russland zurück und arbeitete als Ärztin in einem psychiatrischen Krankenhaus bei Chersson in der südrussischen Provinz.

Die in Zürich geborene Rosmarie Berna-Glantz absolvierte zunächst in Neuchâtel eine Lehrerinnen-Ausbildung. Nachdem sie 1951 die Matura bestanden hatte, studierte sie Romanistik an der Universität Zürich und legte dort 1958 ihre Doktorprüfung ab. Ihre Dissertation trug den Titel Die menschlichen Beziehungen im Werke von Georges Bernanos.
Ihre erste psychotherapeutische Ausbildung erhielt sie von 1962 bis 1966 am Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie in Stuttgart, wo sie sich zur Psychagogin (Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin) ausbilden ließ. Es folgte eine psychoanalytische Ausbildung bei der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa) in Zürich. 1971 gehörte Rosemarie Glantz zu den GründerInnen der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Stuttgart-Tübingen der DPV.
Nachdem sie sich von ihrem ersten Mann, dem Schweizer Psychoanalytiker Theo Glantz (1928-1996), getrennt hatte, heiratete sie 1975 den Schweizer Kinderanalytiker Jacques Berna, den früheren Ehemann von Ada Berna. Rosmarie Berna-Glantz eröffnete in Zürich eine psychoanalytische Privatpraxis für Kinder und Erwachsene und übernahm von Martha Eicke die Leitung des Unterrichtsausschusses am Züricher Freud-Institut, dessen Präsidentin sie Ende der 1980er Jahre war. 1985 gründete sie zusammen mit Han Groen-Prakken und Sibylle Drews die Zeitschrift für Psychoanalytische Theorie und Praxis.
Rosmarie Berna lebt heute in Thalwil in der Schweiz und gehört der Teresianischen Karmel-Gemeinde Birkenwerder an, wo sie als Psychotherapeutin, Gesprächsseelsorgerin und Begleiterin Karmelitanischer Exerzitien tätig ist.
Fanny Chalewsky (Feiga Lea Chalievskaja) stammte wie ihre Freundin Sabina Spielrein aus Rostow am Don. Sie besuchte das Gymnasium in Bern und begann danach in Bern und Genf ein Medizinstudium, das sie von 1903 bis 1906 in Zürich fortsetzte. 1907 promovierte sie in Zürich Über zwei Fälle von spontaner Uterusruptur und arbeitete anschließend als Assistenzärztin an der Schweizerischen Pflegerinnenschule.
Über ihren damaligen Verlobten, den Schweizer Arzt Alphonse Maeder, der 1908/09 an der psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli Mitarbeiter von Carl Gustav Jung war, kam Fanny Chalewsky mit der Psychoanalyse in Berührung. Sie schloss sich der seit 1907 in Zürich bestehenden Gesellschaft für Freudsche Forschungen um Eugen Bleuler und C. G. Jung an. 1909 publizierte sie ihren Aufsatz über die Heilung eines hysterischen Bellens durch Psychoanalyse, in dem sie das Fallbeispiel eines zehnjährigen Mädchens beschrieb. Anfang 1909 kehrte sie wieder nach Russland zurück.

Mireille Cifali wurde in Le Locle im Schweizer Kanton Neuchâtel geboren. Bis 1970 studierte sie Französisch, Geschichte und Philosophie in Neuchâtel, dann bis 1975 Pädagogik in Genf, wo sie 1979 mit der Arbeit Eléments pour une démarche psychanalytique dans le champ éducatif bei Michel de Certeau promovierte. Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt sie in Genf und Paris. Von 1975 bis 1984 machte sie eine Lehranalyse bei einem Analytiker der lacanianischen Ecole Freudienne de Paris. Anschließend war sie bis 1995 als niedergelassene Psychoanalytikerin tätig. Seit 1986 ist sie Professorin an der Faculté de psychologie et des sciences de l'éducation (FPSE) der Universität Genf.
1981 gründete Mireille Cifali gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Mario Cifali die Genfer Zeitschrift Le Bloc-Notes de la psychanalyse, die sie bis 1986 mitherausgab. Sie ist Mitgründerin der Société internationale d'histoire de la psychiatrie et de la psychanalyse (1982) und der Archives Institut Jean-Jacques Rousseau in Genf (1984).
Mireille Cifalis Arbeitsschwerpunkte sind das Verhältnis von Pädagogik und Psychoanalyse sowie die Geschichte der Psychoanalyse.

Die in Berlin geborene Bankierstochter Ruth Charlotte Hirschfeld wuchs in einem assimilierten jüdischen Elternhaus auf. Sie studierte von 1931 bis 1932 Nationalökonomie und Psychologie in Heidelberg und Berlin, bevor sie 1933 mit ihrem späteren Ehemann, dem Psychiater Hans Helmut Cohn, in die Schweiz emigrierte.
In Zürich setzte sie ihr Psychologiestudium fort und absolvierte gleichzeitig zwischen 1933 und 1939 eine psychoanalytische Ausbildung bei der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. Ihr Lehranalytiker war zunächst Hans Behn-Eschenburg und nach dessen Tod von 1934 bis 1939 der Daseinsanalytiker Medard Boss; Kontrollanalytiker war Gustav Bally. 1938 heiratete sie Hans Cohn, mit dem sie zwei Kinder, Heidi und Peter, hatte.
1941 emigrierten die Cohns in die USA und ließen sich in New York nieder. Ruth Cohn machte 1941/42 eine Lehrerinnenausbildung an der progressiven Bankstreet School, studierte danach Psychotherapie am William Alanson White Institute und schloss 1944 an der Columbia University ihr Psychologiestudium ab. 1946 eröffnete sie eine eigene psychoanalytische Praxis in New York. In den folgenden Jahren beteiligte sie sich am Aufbau der National Psychological Association for Psychoanalysis, die Theodor Reik 1948 als Reaktion auf den Ausschluss von nichtärztlichen "Laienanalytikern" aus der New York Psychoanalytic Society gegründet hatte. Nach der Scheidung 1946 von ihrem ersten Mann heiratete Ruth Cohn 1950 den Psychologen Gus Woltmann (1904-1975); die Ehe wurde 1962 wieder geschieden
In ihrem weiteren Werdegang entfernte sich Ruth C. Cohn von der klassischen Psychoanalyse hin zur Humanistischen Psychologie. Von 1948 bis 1951 absolvierte sie eine Ausbildung in Gruppentherapie, die sie dann von 1957 bis 1973 am Center for Psychotherapy und Mental Health lehrte. Seit 1961 war sie Mitglied der American Academy of Psychotherapists. Im Anschluss an eine Zusatzausbildung in Gestalttherapie bei Fritz Perls gründete Ruth Cohn 1966 in New York und 1972 in der Schweiz das Workshop Institute for Living Learning als Weiterbildungs- und Forschungsinstitut für Themenzentrierte Interaktion (TZI).
Mit der TZI schuf Ruth Cohn ein Konzept für die aufgabenorientierte Zusammenarbeit eines Teams bzw. einer Gruppe. Mithilfe bestimmter Regeln soll dabei eine dynamische Balance zwischen den Aspekten des Einzelnen, der Gruppe und deren Aufgabe sowie der Außenwelt hergestellt werden. Grundlagen der TZI bilden u. a. Ansätze der Körpertherapie Wilhelm Reichs, der Gestaltarbeit nach Fritz Perls, der interpersonalen Psychiatrie von Harry Stack Sullivan, der Familientherapie Virginia Satirs und vor allem der ganzheitlichen, am Hier und Jetzt orientierten Erlebnistherapie nach Carl Whitaker und John Warkentin. (Artikelanfang)
1974 kehrte Ruth Cohn nach Europa zurück, wo sie bis 2002 in Hasliberg-Goldern in der Schweiz als Psychotherapeutin sowie als TZI-Lehrerin und -Beraterin tätig war. Sie starb 97jährig in Düsseldorf.

Martha Spengler wurde in Basel als einziges Kind eines Schweizer Bankiers geboren. Wegen einer angeborenen körperlichen Behinderung musste sie ihre Vorschuljahre im Gips zubringen. Um "Seelenärztin" zu werden, begann sie 1942 noch während ihrer Schulzeit eine Analyse bei dem Daseinsanalytiker Gustav Bally. Nach ihrem Medizinstudium in Zürich arbeitete sie als Assistenzärztin in der Kinderpsychiatrie am Burghölzli und wurde als Gast in die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa) aufgenommen. 1948 lernte sie Alexander Mitscherlich, der sie als Übersetzerin und Rezensentin für die von ihm herausgegebene Zeitschrift Psyche gewann.
1956 heiratete sie den Münchner Psychoanalytiker Dieter Eicke (1926-2004) und zog mit ihm nach Heidelberg, wo sie 1957 Mitarbeiterin an der von Mitscherlich geleiteten psychosomatischen Klinik wurde. Zusammen mit ihrem Mann ging sie 1959 nach London, um eine zweijährige Analyse bei Paula Heimann zu machen und als Gast an den Seminaren der British Psycho-Analytical Society teilzunehmen. Zurück in Heidelberg wurde sie 1962 außerordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung.
Als Mutter von drei Kindern war sie zunächst nur eingeschränkt berufstätig. Nach ihrer Scheidung kehrte sie 1967 mit ihren Kindern nach Zürich zurück und eröffnete dort eine Privatpraxis. Sie wurde ordentliches Mitglied der SGPsa und leitete am Psychoanalytischen Seminar Zürich (PSZ) Seminare insbesondere über psychoanalytische Theorien der Weiblichkeit und der Depression.
Als die SGPsa 1977 dem PSZ die Anerkennung als Ausbildungsinstitut entzog und es zum Bruch mit den "Linken" Paul Parin, Goldy Parin-Matthèy, Fritz Morgenthaler und anderen kam, übernahm Martha Eicke die Leitung im Unterrichtsausschuss der SGPsa. Neben ihrer Praxis als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie war sie bis zu ihrer Emeritierung als Lehranalytikerin und Supervisorin am SGPsa-eigenen Ausbildungsinstitut, dem späteren Freud-Institut Zürich, tätig.
Die in St. Petersburg geborene, aus einer baltendeutschen Familie stammende Sophie [Sofia] Erismann Hasse zählte zu den ersten Frauen der psychoanalytischen Bewegung. Sie begann ihr Medizinstudium 1872 in Zürich, wechselte ein Jahr später nach Bern, wo sie 1876 zum Dr. med. promovierte. Anschließend kehrte sie nach Russland zurück und heiratete 1884 den Schweizer Arzt Friedrich Huldreich Erismann (1842-1915). Dieser war 1869 mit seiner ersten Frau Nadeshda Suslowa nach St. Petersburg gezogen und lehrte seit 1881 Hygiene an der Universität Moskau. Als das erste der drei Kinder von Sophie und Friedrich Erismann wurde 1883 Theodor Paul geboren.
Nachdem er mit revolutionären Studenten sympathisiert hatte, wurde Friedrich Erismann 1896 entlassen. Die Familie emigrierte in die Schweiz und ließ sich in Zürich nieder, wo Sophie Erismann als Psychiaterin an der von Eugen Bleuler geleiteten Kantonalen Irrenanstalt Burghölzli arbeitete. 1908 nahm sie am ersten IPV-Kongress in Salzburg teil, und 1910 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Züricher psychoanalytischen Ortsgruppe der IPV, die sich nach dem Bruch zwischen C. G. Jung und Sigmund Freud 1913 wieder auflöste. Sophie Erismann starb in Zürich.

Emma Fürst wurde in Bassersdorf im Kanton Zürich geboren, ihre Eltern waren der Lehrer Johann Fürst und seine Frau Emma, geb. Hubmann. Sie besuchte die Töchterschule in Zürich und studierte von 1897 bis 1903 in Zürich und Bern Medizin. Anschließend war sie Assistenzärztin an der Schweizerischen Pflegerinnenschule und 1905/06 an der psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli in Zürich, wo sie sich an den Assoziationsstudien ihres Kollegen Carl Gustav Jungs beteiligte. In ihrer Dissertation Statistische Untersuchungen über Wortassoziationen und über familiäre Übereinstimmung im Reaktionstypus bei Ungebildeten stellte sie eine größere Familienähnlichkeit in den Assoziationen von Frauen als in denen von Männern fest.
Emma Fürst praktizierte als Nervenärztin in Zürich und war 1919 Gründungsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse, der sie bis an ihr Lebensende angehörte.

Germaine Guex wurde in Arcachon in Frankreich geboren. Ihr Vater Georges Guex war ein aus der Schweiz stammender protestantischer Pfarrer. Ihre Mutter Hélène, geb. Millet war Französin, sie starb bereits früh. Mit siebzehn Jahren zog Germaine Guex zu ihrer Tante in die Schweiz und studierte bis 1923 Pädagogik und Psychologie am Institut Jean-Jacques Rousseau in Genf. Danach war sie bis 1930 als Assistentin Jean Piagets im Psychologie-Labor des Instituts tätig. In dieser Zeit machte sie auch eine Lehranalyse bei Raymond de Saussure und wurde Mitglied und Lehranalytikerin der Société Suisse de Psychanalyse.
1930 übersiedelte sie ins Wallis, um an der von André Répond geleiteten Psychiatrischen Klinik von Malévoz zu arbeiten. Gemeinsam mit Répond richtete sie dort den medizinisch-psychologischen Dienst ein, eine psychoanalytisch orientierte Beratungsstelle für Kinder und Erziehende, die vorbildlich für ähnliche Institutionen in der Schweiz und in Frankreich wurde. Als Guex drei Jahre später an Tuberkulose erkrankte, musste sie diese Arbeit aufgeben. Sie ging nach Lausanne, wo sie ihren Lebensgefährten, den schweizerischen Psychoanalytiker Charles Odier (1886-1954) kennenlernte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte Germaine Guex an dem von Raymond de Saussure in Genf eingerichteten Centre romand d'enseignement psychanalytique. Wie Odier und Henry Flournoy suchte sie die Freudsche Psychoanalyse mit der genetischen Psychologie Piagets zu vereinbaren. Bekannt wurde sie vor allem durch den von ihr geprägten Begriff der "névrose d'abandon" [Verlassenheitsneurose], einer Neurose mit präödipaler Ätiologie, bei der Verlassenheitsangst und Sicherheitsbedürfnis vorherrschen. Mit seinen ausgeprägten prägenitalen Fixierungen bleibe der "abandonnique" diesseits des Ödipus, der für ihn eine Bedrohung seiner Sicherheit darstellt. (Artikelanfang)
Die Problematik und Behandlung solcher Patienten beschrieb Germaine Guex in ihrem 1950 erschienenen Buch La névrose d'abandon, das 1973 unter dem Titel Le syndrome d'abandon neuaufgelegt wurde.

Emma Jung wurde in Schaffhausen als älteste von zwei Töchtern des reichen Maschinenfabrikanten Johannes Rauschenbach und seiner Frau Bertha Schenk geboren. Ursprünglich wollte sie Naturwissenschaft studieren, was ihr Vater jedoch ablehnte. Stattdessen verbrachte sie 1898/99 ein Jahr in Paris und lernte Französisch, später auch Griechisch, Latein und Mathematik.
Mit siebzehn Jahren traf sie den Psychiater und späteren Freund und Schüler Sigmund Freuds, Carl Gustav Jung (1875-1961), den sie 1903 heiratete (Abb.). Aus ihrer Ehe gingen vier Mädchen und ein Junge hervor. Trotz C. G. Jungs Beziehungen zu anderen Frauen, vor allem zu seiner Schülerin Antonia Wolff, hielt die Ehe 52 Jahre lang bis zu Emma Jungs Tod.
Emma Jung interessierte sich ebenfalls für die Psychoanalyse. Sie unterstützte die Arbeit ihres Mannes und machte 1909/10 eine Analyse bei ihm. Im Konflikt zwischen Jung und Freud versuchte sie zu vermitteln, bevor es 1913 zum endgültigen Bruch zwischen den beiden kam. C. G. Jung begründete seine eigene Schule der Analytischen Psychologie, die auch Emma Jung vertrat. Sie war von 1916 bis 1919 die erste Präsidentin des Psychologischen Clubs in Zürich, in dem sich die Anhänger der Analytischen Psychologie versammelten. 1918 begann sie eine Analyse bei dem Jungianer Hans Trüb, und seit 1930 praktizierte sie offiziell selbst als Psychotherapeutin. Von 1950 bis 1955 amtierte sie als Vizepräsidentin des Züricher Carl Gustav Jung-Instituts.
1931 referierte Emma Jung im Psychologischen Club über den Animus, die Personifikation des Männlichen im Unbewussten der Frau (Ein Beitrag zum Problem des Animus), und 1950 verfasste sie einen Essay über die Anima, die Personifikation des Weiblichen im Unbewussten des Mannes (Die Anima als Naturwesen). Beide Vorträge wurden 1967 erstmals veröffentlicht. Ihr lebenslanges Interesse galt der Gralslegende. Sie hinterließ eine Studie zur symbolischen Bedeutung von Motiven der Gralslegende als Archetypen, die nach ihrem Tod von Marie-Louise von Franz bearbeitet und herausgegeben wurde.

Judith Le Soldat-Szatmary wurde in Budapest geboren und wuchs in Budapest, Wien und Zürich auf. Von 1967 bis 1977 studierte sie in Zürich Psychologie, Philosophie und Nationalökonomie (Informatik). 1978 promovierte sie an der Universität Zürich in Klinischer Psychologie bei Ulrich Moser über das Thema Wohlbefinden. Entwurf einer psychoanalytischen Theorie und Regulationsmodell.
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt Judith Le Soldat am Psychoanalytischen Seminar Zürich (PSZ), ihre Lehranalytiker waren Fritz Morgenthaler und Paul Parin. Ab 1978 bis kurz vor ihrem Tod arbeitete sie als Psychoanalytikerin in eigener Praxis in Zürich. Ihre Spezialgebiete waren die Behandlung von Depressionen, Borderline-Störungen sowie Kreativitätshemmungen. Sie war außerdem Lehranalytikerin, Supervisorin und Dozentin am PSZ.
In ihrem Hauptwerk Eine Theorie menschlichen Unglücks unternimmt Judith Le Soldat eine neuerliche Interpretation von "Irmas Injektion", Sigmund Freuds Initialtraum der Psychoanalyse, und entwirft dabei eine eigene Theorie des Ödipuskomplexes. Die Freudsche Version, die von der Verliebtheit in die Mutter und der Eifersucht gegen den Vater handelt, stellt für Le Soldat bereits eine Lösung zur Abwehr des eigentlichen Konflikts dar, bei dem es um phantasierten Raub (des väterlichen Glieds), Verrat (an der Mutter) und Mord (am Rächer) geht. Den Nabel von Freuds Irma-Traum bildet, wie Judith Le Soldat akribisch nachweist, der unerfüllbare passiv-genitale "Kolposwunsch", d. h. der männliche Wunsch nach genitaler, nicht homosexuell analer Pentration. Einen solchen ursprünglichen, auf den imaginären "Kolpos" - weder Scheide noch Anus, sondern ein Drittes - gerichteten Sexualwunsch postulierte sie an anderer Stelle auch für Frauen.
Alice Miller wurde als älteste Tochter jüdischer Eltern im damals polnischen Lwow geboren. Sie ging in Warschau zur Schule und begann dort 1942 an der Untergrund-Universität ein Studium der Literaturgeschichte und Philosophie. 1946 ging sie in die Schweiz, studierte in Basel Philosophie, Psychologie und Soziologie und promovierte 1953 zum Dr. phil. In diese Zeit fiel auch ihre Heirat mit dem ebenfalls aus Polen stammenden Soziologen Andreas Miller (1923-1999).
Anschließend absolvierte Alice Miller in Zürich eine psychoanalytische Ausbildung bei Paul Parin und Gertrud Boller-Schwing und wurde Anfang der 1960er Jahre in die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa) aufgenommen. Als Mitglied des Unterrichtsausschusses setzte sie sich 1976 für die Auflösung des selbstverwalteten Psychoanalytischen Seminars Zürich ein. 1980, nach dem Erscheinen ihres bekanntesten Buchs Das Drama des begabten Kindes, gab sie ihre psychoanalytische Praxis und ihre Lehrtätigkeit auf, um sich dem Kampf gegen die "Schwarze Pädagogik" zu widmen. 1988 trat sie aus der SGPsa und der IPV aus.
In ihren sehr erfolgreichen Büchern zeigte sie - häufig am Beispiel berühmter Persönlichkeiten wie Adolf Hitler, Friedrich Nietzsche, Marilyn Monroe oder Franz Kafka - die destruktiven Folgen von Erziehung auf und prangerte die Verleugnung von Kindesmisshandlung und -missbrauch durch die Gesellschaft an. Alice Miller, die selbst zwei Kinder hatte, ging von der "Unschuld" des Kindes aus, das durch Erziehung gedemütigt werde, seine Gefühle verleugnen müsse und dadurch emotionale Blindheit und Denkblockaden entwickle. Das Erlittene werde im Körper gespeichert - mit der Folge schwerer Krankheiten - und erzeuge einen unbewussten Wiederholungszwang. Schließlich würden die Demütigungen dann an die eigenen Kinder weitergegeben. Nur das Wissen um das eigene Leiden in der Kindheit könne diesen Teufelskreis durchbrechen.
Alice Miller war der Meinung, dass die Psychoanalyse den Zugang zu solchen traumatischen Kindheitserlebnissen verhindert, seitdem Sigmund Freud seine Verführungstheorie, nach der Neurosen die Folge sexuellen Missbrauchs in der Kindheit sind, aufgegeben und durch die Annahme kindlicher Sexualität und den Ödipuskomplex ersetzt hatte. (Artikelanfang)
Kritiker werfen Alice Miller psychologistische Kurzschlüsse vor, die sich in Thesen offenbarten wie "Hitler hätte nicht Millionen von Menschen umbringen müssen, wenn es ihm als Kind möglich gewesen wäre, sich direkt gegen die Grausamkeiten seines Vaters aufzulehnen".

Die Psychiaterin Franziska Brockmann bzw. Frania Brokman wurde als Tochter des Kaufmanns Émile Brockmann und seiner Frau Anna geb. Blumenthal in Moskau geboren. Nach der Trennung ihrer Eltern wuchs Franziska Brockmann bei ihren Großeltern mütterlicherseits in Warschau auf und besuchte dort das Lyzeum. Von 1901 an studierte sie in Bern und Zürich Medizin und promovierte 1908/09 an der Züricher Universität. Anschließend ging sie nach Kazan, wo sie ein Diplom erwarb, das ihr erlaubte in Russland zu praktizieren.
Franziska Brockmann kehrte nach Zürich zurück und arbeitete als Assistentin Eugen Bleulers an der psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli. Ende 1912 wurde sie Mitglied der Züricher psychoanalytischen Gesellschaft. 1913 heiratete sie ihren aus Petersburg stammenden Kommilitonen Eugène Minkowski (1885-1972). Dieser wurde 1914 ebenfalls Assistent von Bleuler, bevor er sich 1915 freiwillig zur französischen Armee meldete. Françoise Minkowska zog nach Paris, wo 1915 ihr Sohn Alexandre geboren wurde, 1918 ihre Tochter Jeannine.
1925 beteiligte sich das Ehepaar Minkowski in Paris an der Gründung der Gruppe Évolution psychiatrique (EP). Françoise Minkowska wurde besonders bekannt durch ihre Beschreibung des epileptoiden bzw. glischroiden Konstitutionstypus sowie durch ihre Arbeiten mit dem Rorschach-Test, den sie in Frankreich einführte. Sie vertrat einen phänomenologischen Ansatz, und ihre anfängliche Sympathie für die Psychoanalyse wandelte sich in entschiedene Ablehnung.
Françoise Minkowska und ihr Mann, beide jüdischer Herkunft, überlebten die deutsche Besetzung Frankreichs. Zu einem von ihr nach Kriegsende geplantem Buch über Rorschach-Tests kam es nicht mehr. Ihre Grabrede im Namen der EP hielt Jacques Lacan.

Maya Nadig studierte Französisch, Deutsch und Geschichte in Lausanne, München und Zürich und schloss ihr Studium als Sekundarlehrerin ab. Mit Beginn einer eigenen Analyse sattelte sie auf das Fach ihrer Neigung um und studierte in Zürich Klinische Psychologie mit dem Schwerpunkt Psychoanalyse bei Ulrich Moser. Während ihrer Tätigkeit als Französischlehrerin lernte sie Mario Erdheim kennen, durch den sie mit der Ethnologie in Berührung kam. Es folgte ein Ethnologiestudium, und 1983 promovierte sie am Ethnologischen Institut in Zürich, wo sie als Lehrbeauftragte und Assistentin tätig war. Außerdem war sie drei Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Universität Frankfurt
Maya Nadig war in der 68er- und der Frauenbewegung aktiv. Ihr Interesse an einer Verbindung von Psychologie und Politik wurde durch die EthnopsychoanalytikerInnen Paul Parin, Fritz Morgenthaler und Goldy Parin-Matthèy gefördert. 1970 begann sie ihre psychoanalytische Ausbildung am Psychoanalytischen Seminar Zürich. Sie absolvierte zwei Analysen und wurde Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse und der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung.
Zwischen 1975 und 1991 führte Maya Nadig mehrere ethnopsychoanalytische Feldforschungen durch: in Mexiko bei den Otomi in Hidalgo (1975, 1977) und den Mayas in Yucatan (1987) sowie im Züricher Oberland (1988-1991). Inspiriert durch die feministische Forschung und die kritische Ethnologie entwickelte sie einen eigenen ethnopsychoanalytischen Ansatz, der die Subjektivität der Forscherin miteinbezieht. Dabei wandte sie die ethnopsychoanalytische Methode auch auf die eigene Kultur an.
Seit 1991 ist Maya Nadig Professorin für Europäische Ethnologie an der Universität Bremen, wo sie auch das 2001 von ihr gegründete Bremer Institut für Kulturforschung leitet. Zu ihren neueren Forschungsprojekten zählen: Technisierung der Geburt (1999-2004), Prozesse transkultureller Verständigung in der Psychotherapie mit MigrantInnen (seit 2000), Genderidentitäten und kulturelle Formen in Bewegung: Reisende Frauen und einheimische Männer in Indonesien (2000-2003), Danzantes Aztecas in Mexiko, eine indianische Revitalisierungsbewegung im Kontext der Globalisierung (seit 2004) sowie die matrilinearen Mosuo in Südchina (seit 2010). Seit 2004 gibt sie auch die Reihe "Transkulturelle Studien" bei Campus heraus.
(Artikelanfang)

Mira Gincburg wurde im russisch-polnischen Lodz als Tochter einer jüdischen Familie geboren. Nach dem Besuch des Mädchengymnasiums in Lodz schrieb sie sich 1901 in Bern zum Medizinstudium ein. 1903 wechselte sie nach Zürich, unterbrach dann jedoch ihr Studium, um 1904/05 ein Lehrerinexamen zu absolvieren. Sie engagierte sich für den revolutionären russischen Sozialismus ebenso wie für die nationalpolnische Untergrundbewegung und beteiligte sich im Kohlenrevier von Dgbrowa an der russischen Revolution von 1905. Nach deren Scheitern kehrte sie 1906 nach Zürich zurück und setzte dort ihr Medizinstudium fort. Sie hörte bei Eugen Bleuler und Carl Gustav Jung und nahm an den Sitzungen der Gesellschaft für Freudsche Forschungen teil. 1909 promovierte sie Über den Einfluss von anorganischen Salzen auf die galvanische Erregbarkeit der Nerven.
Ab 1909 war Mira Gincburg als Assistentin an der psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli in Zürich tätig, wo sie als Schülerin C. G. Jungs Kinderanalysen durchführte. Am Burghölzli lernte sie den Psychiater Emil Oberholzer (1883-1958) kennen, den sie 1913 heiratete; ihr Sohn Hermann wurde 1926 geboren. Auf Anregung Max Eitingons ging Mira Gincburg für einige Zeit nach Berlin und wurde im April 1911 als erstes weibliches Mitglied in die Berliner Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen. Ende des gleichen Jahres schloss sie sich der Züricher psychoanalytischen Arbeitsgruppe an. Sie war auch Mitglied des Vereins Schweizer Irrenärzte, wo sie 1911 ihr Referat Aus der Analyse eines mißlungenen Suizides hielt, in dem sie am Beispiel eines schizophrenen Patienten zeigte, dass einem Suizid die gleichen Bedingungen wie einer schweren Neurose zugrunde liegen können.
Wie ihr Mann arbeitete Mira Oberholzer-Gincburg bis 1917 an der Klinik Breitenau in Schaffhausen, anschließend ein Jahr lang im privaten Nervensanatorium von Dr. Brunner in Küsnacht. Nach dem Ersten Weltkrieg führten Mira und Emil Oberholzer eine psychoanalytische Praxis in Zürich. 1919 gehörten sie zu den Gründungsmitgliedern der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. Vermutlich 1922 legte Mira Oberholzer ihre Praxis vorübergehend nieder, um (wie zuvor ihr Mann) in Wien eine Analyse bei Sigmund Freud zu machen. 1938 emigrierten die Oberholzers mit ihrem Sohn in die Vereinigten Staaten und eröffneten in New York eine psychoanalytische Privatpraxis. (Artikelanfang)
Wie Sabina Spielrein war Mira Oberholzer eine der ersten Kinderanalytikerinnen in der Schweiz. Trotz ihrer Anfänge bei Jung blieb sie stets eine loyale Anhängerin Freuds. Im Vergleich zu iher Bedeutung als Pionierin der schweizerischen Psychoanalyse hinterließ sie nur ein schmales Werk. In ihrer Mitteilung von Kindheitsträumen mit spezieller Bedeutung belegte sie, dass die Träumer in frühen Kinderjahren Zeugen sexuellen Verkehrs gewesen waren. In Tolstoi über den Traum wies sie nach, dass Tolstoi, indem er das Unbewusste mit moralischen Maßstäben maß, die triebhafte Dimension übersah. Ihr Aufsatz Aus der Analyse eines 13jährigen Mädchens enthält die Beschreibung der erfolgreichen Behandlung einer jungen Hysterikerin, die an einer schweren Anorexie litt.
Mira Oberholzer-Gincburg starb in New York an Krebs.

Elisabeth Charlotte (Goldy) Matthèy-Guenet wurde in Graz geboren als Tochter einer wohlhabenden Schweizer Familie hugenottischer Abstammung. Ihr Vater August Matthèy verlor nach dem Verkauf der familieneigenen lithographischen Anstalt Anfang der 1920er Jahre sein gesamtes Vermögen. Ihre Mutter Franziska geb. Dunkl hielt die Familie mit Putzarbeit über Wasser. Goldy Matthèy absolvierte zunächst an der Kunstgewerbeschule in Graz eine Ausbildung zur Keramikerin, sattelte dann aber auf den Brotberuf einer medizinischen Labor- und Röntgenassistentin um. Von 1933 bis 1934 arbeitete sie in Wien in einem von August Aichhorn geleiteten Heim für schwererziehbare Kinder, anschließend wieder in ihrem erlernten Beruf am Grazer Universitätsspital. Seit Anfang der 1930er Jahre in einer Gruppe Grazer Antifaschisten aktiv, ging Goldy Matthèy 1937 nach Spanien, um sich am Bürgerkrieg gegen Franco zu beteiligen und als Röntgenassistentin beim Sanitätsdienst der Internationalen Brigaden zu arbeiten.
Nach dem Sieg der Faschisten und dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland lebte Goldy Matthèy in Zürich und betrieb dort von 1939 bis 1952 (mit Unterbrechungen) ein Labor für Blutuntersuchungen. In Zürich lernte sie Paul Parin (1916-2009) kennen, der hier sein Medizinstudium abschloss. Zusammen mit ihm und fünf weiteren Schweizer Ärzten, darunter ihr Bruder Gustl Matthèy-Guenet, ging Goldy Matthèy 1944 als Freiwillige nach Jugoslawien, wo sie ein Jahr lang an der Seite der Tito-Partisanen das Zentralspital betreuten. 1946 baute sie mit Fritz Morgenthaler und anderen die Poliklinik Prijedor in Nordbosnien auf.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Goldy Matthèy wie Morgenthaler und Parin eine psychoanalytische Ausbildung in Zürich. Sie machte von 1950 bis 1952 eine Analyse bei Rudolf Brun und wurde anschließend Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. 1952 eröffneten Parin, Matthèy und Morgenthaler eine psychoanalytische Gemeinschaftspraxis in Zürich. Sie gründeten zusammen mit Jacques Berna das "Kränzli", aus dem 1958 das linksorientierte Psychoanalytische Seminar Zürich hervorging.
1955 heirateten Goldy und Paul Parin. Gemeinsam mit Morgenthaler unternahmen sie zwischen 1954 und 1971 sechs Forschungsreisen nach Westafrika und untersuchten mit Hilfe der psychoanalytischen Gesprächstechnik das Seelenleben der Dogon und Agni. Mit ihren Studien Die Weißen denken zuviel (1963) und Fürchte Deinen Nächsten wie Dich selbst (1971) begründeten sie die deutschsprachige Tradition der Ethnopsychoanalyse. (Artikelanfang)
Für Goldy Parin-Matthèy, die sich selbst als "moralische Anarchistin" bezeichnete, war die Psychoanalyse ein "Guerillakampf mit anderen Mitteln". Wie ihr Mann verstand sie ihre psychoanalytische Tätigkeit als subversiv und gesellschaftskritisch. Ziel der Psychoanalyse war für sie die Stärkung der autonomen Kräfte einer Person und eine größere Unabhängigkeit von den sozialisierenden Faktoren.
1990 gaben die Parins ihre psychonalytische Praxis auf. Goldy Parin-Matthèy starb sieben Jahre später in Zürich.
Maria Pfister-Ammende wurde in Bamberg geboren. Nach der Matura im Jahr 1929 begann sie ihr Studium in München mit drei Semestern Psychologie und Germanistik, wechselte dann aber zur Medizin und studierte dieses Fach in München, Zürich, Kiel und Würzburg. Nach der ärztlichen Vorprüfung 1932 setzte sie ihr Medizinstudium in Berlin und Zürich fort, wo sie 1937 über Zwei Fälle von Kindstötung in psychiatrischer Beurteilung promovierte.
Nach einer psychoanalytischen Ausbildung wurde sie Mitglied und Lehranalytikerin der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa). Während der 1950er Jahre gehörte sie in Zürich dem erweiterten "Kränzli" um Paul Parin, Goldy Matthèy und Fritz Morgenthaler an. Ende der 1960er Jahre sympathisierte sie mit der "Plattform", einer Gruppe linksorientierter AnalytikerInnen, und schloss sich nach der Spaltung der SGPsa im Jahr 1977 dem autonomen Psychoanalytischen Seminar Zürich an.
Wie ihr Mann, der Psychiater Hans Oskar Pfister (1905-1995), war sie eine Anhängerin des Psychohygiene-Gedankens und setzte auf diesem Gebiet das Werk von Heinrich Meng fort, des bis 1956 in Basel lehrenden Begründers der europäischen Psychohygiene-Bewegung. Maria Pfister-Ammendes Schwerpunkt war die Flüchtlings- und Vertriebenenforschung. So untersuchte sie von 1944 bis 1948 als Leiterin des psychiatrischen Dienstes der Eidgenössischen Zentralleitung der Lager und Heime die psychische Gesundheit verschiedener Flüchtlingsgruppen wie jüdischen Flüchtlingen bzw. KZ-Überlebenden, Displaced Persons und deutschen Flüchtlingen aus Polen und Schlesien. Sie beschrieb die psychopathologischen Auswirkungen der Entwurzelung und Internierung von Menschen in Flüchtlingslagern und zeigte präventive, therapeutische und rehabilitative Maßnahmen zur Behandlung von Flüchtlingen auf.

Danielle Quinodoz stammt aus Grenoble, wo sie 1951 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend studierte sie bis 1954 Psychologie an der Sorbonne in Paris. Von 1955 bis 1966 war sie als Psychologin tätig: an der Universität Genf als Mitarbeiterin von Jean Piaget und André Rey, an der Clinique psychiatrique des Rives in Prangins und beim Genfer Service médico-pédagogique. 1960 heiratete sie den Schweizer Psychoanalytiker Jean-Michel Quinodoz, aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor.
Sie wandte sich dann der Psychoanalyse zu und eröffnete 1967 eine Privatpraxis in Genf. 1980 wurde sie Mitglied und 1986 Lehranalytikerin der Société Suisse de Psychanalyse (SSPsa). Von 2003 bis 2007 war sie Präsidentin des Ausbildungsausschusses. Außerdem war sie zwischen 1987 bis 1992 Redakteurin des Bulletin de la Société Suisse de Psychanalyse. Sie lehrte von 1970 bis 2007 am Centre de Psychanalyse Raymond de Saussure, supervidierte bis 2000 Psychotherapien in der psychiatrischen Abteilung der Genfer Universität und leitete zehn Jahre lang am Hôpital de Gériatrie ein Seminar zur Psychotherapie älterer Patienten.
Zu den Forschungsschwerpunkten Danielle Quinodoz' zählen die nonverbale Kommunikation in der Analyse und die Psychanalyse älterer Patienten. Preisgekrönt wurde ihr Buch Le vertige, entre angoisse et plaisir, in dem sie auf der Grundlage der Freudschen Angsttheorie und des Kleinschen Objektbeziehungsansatzes die verschiedenen Formen des Schwindelgefühls zwischen Lust und Angst beschreibt, dessen Ursprung sie in Trennungsängsten sieht. Ihr zweites Buch Des mots qui touchent [Worte, die berühren] handelt von Patienten, die sowohl neurotische wie psychotische Symptome aufweisen. Um die präverbale Ebene dieser Patienten zu erreichen, nutzt Danielle Quinodoz in der Analyse die musikalischen und syntaktischen Momente des Sprechens.
Auch in ihrem zuletzt erschienenen Buch Vieillir (Älterwerden) betont sie, wie sinnvoll die psychoanalytische Arbeit auch für ganz alte und kurz vor dem Tod stehende Menschen sein kann.
Madeleine Rambert wurde in Lausanne als Tochter eines Pfarrers geboren. Sie war ausgebildete Lehrerin und hatte sich auf die Arbeit mit zurückgebliebenen Kindern spezialisiert, bevor sie am Institut Jean-Jacques Rousseau in Genf studierte. Sie machte eine Lehranalyse bei Raymond Saussure und wurde 1942 Mitglied der Société Suisse de Psychanalyse. Danach praktizierte sie als Kinderanalytikerin und beteiligte sich an der Ausbildung von Ärzten und Psychologen beim waadtländischen medizinisch-pädagogischen Dienst. In den 1960er und 1970er Jahren bildete sie Lehrer an der Pestalozzi-Schule in Echichens aus und arbeitete mit straffällig gewordenen Frauen.
Bekannt wurde Madeleine Rambert durch die Einführung des Spiels mit Puppen in die Kinderpsychoanalyse. Sie berücksichtigte in ihrem kinderanalytischen Ansatz sowohl das Stufenmodell der intellektuellen Entwicklung von Jean Piaget als auch die Freudschen Phasen der Triebentwicklung. Der Vorteil der Puppenspiel-Technik bestand für Rambert darin, dass sie einen raschen Zugang zum Unbewussten ermöglicht und durch die Freisetzung von Emotionen die kathartische Wirkung der Therapie erhöht. In ihrem 1945 veröffentlichten und international erfolgreichen Buch La vie affective et morale de l'enfant beschrieb Madeleine Rambert die von ihr angewendete Methode und ihre Erfahrungen aus zwölf Jahren psychoanalytischer Praxis.
Janice Davis de Saussure Howenstine war mit Emanuel Jay Howenstine verheiratet, als sie 1939 ihr Studium mit dem M.A. an der Ohio State University abschloss. Das Thema ihrer Abschlussarbeit lautete The Relation of Christianity and Democracy. In zweiter Ehe heiratete sie Raymond de Saussure (1894-1971), der von 1957 bis 1967 Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa) war und dessen vierte Frau sie wurde.
Janice de Saussure ließ sich als Psychoanalytikerin in Genf nieder, wo sie als Mitglied der SGPsa entscheidend zur Entwicklung der psychoanalytischen Bewegung beitrug. Für deren Institutionalisierung setzte sie sich auch auf internationaler Ebene ein. Sie war Vizepräsidentin der European Psychoanalytical Federation wie der International Psychoanalytical Association (IPA) und gehörte unter anderem der Association International d'Histoire de la Psychanalyse und dem Center for Advanced Psychoanalytic Studies in Princeton, New Jersey, an. Sie war in verschiedenen internationalen Gremien aktiv, leitete z. B. Mitte der 1980er Jahre ein IPA-Komitee zur Festlegung der Standardkriterien für eine IPA-Mitgliedschaft und organisierte ab 1983 das Sponsoring Committee der IPA für die griechische Study Group.
Nach ihrem Rückzug aus dem aktiven Berufsleben kehrte Janice de Saussure in die USA zurück. Sie lebt heute in Spokane, Washington.
Julia Schwarzmann kam in Bern zur Welt. Sie ging in Basel zur Schule und machte dort 1923 die Matura. Danach studierte sie moderne Sprachen und Pädagogik in Basel und Genf und schloss 1928 in Basel mit einem Mittellehrer-Examen ab. Aus persönlichen Gründen - vermutlich heiratete sie - unterbrach sie ihre Ausbildung und setzte sie erst im Alter von 38 Jahren mit einem Jahreskurs des Heilpädagogischen Seminars bei Paul Moor in Zürich fort. Anschließend war sie als Erziehungsberaterin tätig. 1946 schrieb sie sich an der philosophischen Fakultät der Universität Zürich ein und promovierte zwei Jahre später. In ihrer Dissertation über Die seelische Heimatlosigkeit im Kindesalter und ihre Auswirkungen beschrieb sie die fehlende Geborgenheit, Angst und Einsamkeit im frühen Lebensalter von Kindern, die später Verhaltens- und Entwicklungsstörungen aufweisen.
Nach ihrer Ausbildung zur Psychoanalytikerin - unter anderem bei dem Schweizer Kinderanalytiker Hans Zulliger - entwickelte Julia Schwarzmann eine "soziologisch orientierte Kinderanalyse", bei der sie Personen aus der sozialen Umgebung des Kindes, insbesondere die Mutter, in eine kombinierte Behandlung miteinbezog. Den Zusammenhang zwischen frühkindlicher seelischer Heimatlosigkeit und späterer Verwahrlosung fand Julia Schwarzmann bestätigt während ihrer zehnjährigen Tätigkeit als Supervisorin von Erzieherinnen in einem Züricher Heim für verwahrloste und straffällig gewordene Mädchen. In Anlehnung an August Aichhorn sollte diesen Mädchen eine "Umerziehung" und nachträgliche Identitätsbildung ermöglicht werden.
Marguerite Sechehaye wurde in Genf geboren. Sie stammte aus einer protestantischen Familie, die von den französischen Cevennen in die Schweiz ausgewandert war. Nach dem Besuch der höheren Schule für Mädchen studierte sie in Genf Linguistik bei Ferdinand de Saussure und Psychologie bei Édouard Claparède am Jean-Jacques Rousseau-Institut, wo sie nach dem Studium als Assistentin Claparèdes tätig war. Mit neunzehn Jahren heiratete sie den Saussure-Schüler Albert Sechehaye (1870–1946), der anhand ihrer Aufzeichnungen gemeinsam mit Charles Bally den bekannten Cours de linguistic générale verfasste.
Marguerite Sechehaye arbeitete zunächst als Psychologin, wandte sich dann aber der Psychoanalyse zu. Nach anfänglichem Zögern, da sie nicht sicher war, ob die Freudsche Betonung der Sexualität mit ihrem Glauben vereinbar war, machte sie von 1927 bis 1928 eine Lehranalyse bei Raymond de Saussure. Sie spezialisierte sich auf Psychosen und entwickelte für die Behandlung von Schizophrenen ihre eigene Methode der "symbolischen Wunscherfüllung". Damit ist eine Therapie gemeint, die - in Anlehnung an Melanie Kleins Konzept des "mothering" - auf die symbolische Befriedigung fundamentaler Bedürfnisse der Kranken durch die Analytikerin-Mutter beruht.
1950 veröffentlichte Sechehaye ihr wichtigstes Buch, das Journal d'une schizophrène, einen Bericht über die zehn Jahre währende erfolgreiche Behandlung "Renées", eines schizophrenen jungen Mädchens. Berühmt wurde dieser Bericht auch durch die besondere Form der Darstellung: Der erste Teil enthält die Selbstbeobachtung Renées, der zweite die Interpretation ihrer Analytikerin. Renée, i. e. Louisa Duess, wurde nach ihrer Heilung von Marguerite Sechehaye adoptiert und später selbst Psychoanalytikerin.
Von 1951 bis 1952 hielt Marguerite Sechehaye gemeinsam mit ihrer Adoptivtochter an der psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich eine Reihe von Vorlesungen, die 1954 unter dem Titel Introduction à une psychothérapie des schizophrènes erschienen sind.

Die aus München stammende Martha Böddinghaus kam um 1910 nach Zürich, um bei Carl Gustav Jung zu studieren und sich von ihm analysieren zu lassen. Anschließend praktizierte sie als Psychoanalytikerin und nahm 1911 am Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Weimar teil. In Zürich heiratete sie den mit Jung befreundeten Schweizer Geschäftsmann Hermann Sigg (1874?-1927) aus Küsnacht. Sie gehörte zum "Kreis der Sieben", einer Gruppe von Frauen um Emma Jung, die sich für die Situation der Frau interessierten. Martha Sigg-Böddinghaus war eine Vertreterin der Analytischen Psychologie, die C. G. Jung nach seinem Bruch mit Sigmund Freud 1913 begründete.
Marcelle Spira wurde in Chaux-de-Fonds im Schweizer Kanton Neuchâtel geboren. Sie absolvierte in der Schweiz ein Psychologiestudium und heiratete Paul Schwob, mit dem sie einen Sohn hatte; die Ehe wurde einige Jahre später wieder geschieden. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs emigrierte sie mit ihrem Mann nach Argentinien, wo sie ihre psychoanalytische Ausbildung bei kleinianischen AnalytikerInnen der Asociación Psicoanalítica Argentina erhielt, darunter Enrique Pichon-Rivière und Arminda Aberastury. Ihre Lehranalytikerin war Marie Langer. Anschließend arbeitete Marcelle Spira in Buenos Aires als Psychoanalytikerin für Kinder und Erwachsene. Als die Regierung Perón Anfang der 1950er Jahre die Ausübung der Psychoanalyse nur noch Ärzten erlaubte, verlor Marcelle Spira ihren Arbeitsplatz und wurde aus allen Institutionen entfernt, für die sie tätig war.
1955 kehrte sie in die Schweiz zurück und ließ sich, einer Einladung Raymond de Saussures folgend, in Genf nieder. Sie wurde Mitglied der Société Suisse de Psychanalyse (SSPsa), später Lehranalytikerin und einflussreiche Leiterin des Unterrichtsausschusses der SSPsa. Als Vertreterin der Ideen Melanie Kleins gelang es Spira, nach anfänglichen Widerständen eine kleinianische Strömung in der Schweizer Gesellschaft zu begründen. Regelmäßig lud sie kleinianische AnalytikerInnen aus London zu Vorträgen in die Schweiz ein, darunter auch Melanie Klein selbst. Zu ihren Analysanden zählten u. a. Jean Bégoin und Pedro Luzes, die die kleinianischen Ideen in Frankreich bzw. Portugal einführten.
Marcelle Spira setzte sich besonders mit der Kreativität des Analytikers auseinander, die sich aus dessen Freiheit speise und mit der des Künstlers vergleichbar sei. Sie hob dabei die körperlich-sensorischen Wahrnehmungen als Inspirationsquelle für die analytische Deutung hervor. In ihrem letzten Buch L'idealizzazione beschrieb sie die Idealisierung als Abwehrsystem gegen die Wahrnehmung von Trennungsangst.
1981 zog Marcelle Spira nach Italien in ihr Haus auf der Isola del Giglio, wo sie noch bis 2006 Supervisionen durchführte.

Lise Tripet wurde in La-Chaux-de-Fonds in der Westschweiz geboren. Sie war das einzige Kind von Gaston Schelling und Lydie Bringold, beide aus Uhrmacherfamilen stammend und in der sozialistischen Linken aktiv. 1949 ging Lise Schelling zusammen mit ihrem späteren Mann Edgar Tripet nach Paris, um Literaturwissenschaft, Germanistik und Linguistik zu studieren. 1951 heirateten sie und 1954 wurde ihr Sohn Nicola geboren. Ein Jahr später kehrte die Familie nach La-Chaux-de-Fonds zurück, wo Lise Tripet - angeregt durch Solange Faladé - eine Analyse begann, die zehn Jahre dauerte.
Nach der Lektüre der Arbeiten von Claude Lévi-Strauss entschloss sie sich zu einem Studium der Ethnologie an der Universität Neuchâtel, das sie 1965 beendete. Ein Jahr später unternahm Lise Tripet ihre erste Reise in den Senegal und beteiligte sich an der Ausstellung "Premier festival mondial des arts nègres" in Dakar. 1968 organisierte sie anlässlich des ersten panafrikanischen Psychiatriekongresses in Dakar die Ausstellung künstlerischer Arbeiten von Patienten aus dem von Henri Collomb geleiteten Zentrum für transkulturelle Psychiatrie Fann der Universität Dakar.
Lise Tripet wandte sich der Ethnopsychoanalyse zu und begann 1970 eine Lehranalyse bei Fritz Morgenthaler in Zürich. Von 1971 an verbrachte sie acht Jahre im Senegal, wo sie als Psychoanalytikerin in privater Praxis und an der psychiatrischen Universitätsklinik Dakar-Fann arbeitete. 1979 kehrte sie in die Schweiz zurück und eröffnete eine psychoanalytische Privatpraxis in La-Chaux-de-Fonds. Außerdem beteiligte sie sich von 1980 bis 1986 an den Veranstaltungen des Psychoanalytischen Seminars Zürich. Von 1982 bis 1984 arbeitete sie als delegierte Psychologin in der Praxis des Psychiaters H. P. Meyer in Zürich, wo sie vor allem MigrantInnen aus Süditalien betreute. (Artikelanfang)
Lise Tripets wichtigste Veröffentlichung Wo steht das verlorene Haus meines Vaters? bezieht sich auf ihre Tätigkeit in Senegal. Das Buch enthält zwei Fallgeschichten senegalesischer Patienten und eine dritte Fallgeschichte, die zum Teil ihre Selbstanalyse darstellt. Sie bestätigt darin die von der Ethnopsychoanalyse betonte und von der klassischen Psychoanalyse in der Regel vernachlässigte Bedeutung der gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen.
Judith Valk wuchs in Budapest als Tochter einer großbürgerlichen jüdischen Familie auf. Ihr Vater war Kardiologe, ihre Mutter starb, als Judith vier Jahre alt war. Die zweite Frau ihres Vaters erlebte sie als eine harte, strenge Stiefmutter. Nach der Besetzung Ungarns durch die Deutschen gehörte ihre Familie zu einer Gruppe von Juden, die 1944 mit dem sog. Kasztner-Transport nach einer Internierung im KZ Bergen-Belsen in die Schweiz ausreisen konnten. Von dort emigrierten sie 1945 weiter nach Palästina.
Judith Valk lebte zwei Jahre lang in einem Kibbuz südlich von Tel Aviv. Danach erwarb sie das Lehrerpatent und arbeitete als Volksschullehrerin. Sie heiratete und kam durch ihren Ehemann erstmals bewusst mit der Psychoanalyse in Kontakt. Die Ehe hielt nicht, aber Judith Valk hatte ihre Berufung gefunden.
1954 kam sie nach Zürich, um eine Ausbildung am Biäsch-Institut (Institut für Angewandte Psychologie) zu machen und an der Universität Psychologie zu studieren. Ihre Analyse absolvierte sie bei Paul Parin, und 1958 gehörte sie zu dem Kreis um Parin, Goldy Parin-Matthèy und Fritz Morgenthaler, der das linksorientierte Psychoanalytische Seminar Zürich gründete. Ende der 1960er Jahre schloss sie sich der antiautoritären Gruppe "Plattform" an, die für eine gesellschaftskritische, sozial engagierte Psychoanalyse eintrat. Judith Valk interessierte sich besonders dafür, wie die Psychoanalyse auch weniger privilegierten Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden kann. So begleitete sie mehrere Jahre lang als Beraterin die Arbeit antiautoritärer Kindergärten.
Sie publizierte u. a. über Narzissmustheorien und gab 2005 Fritz Morgenthalers Psychoanalyse, Traum, Ethnologie heraus.

Antonia Anna (Toni) Wolff war eine Vertreterin der Analytischen Psychologie, die Carl Gustav Jung (1875-1961) nach seinem Bruch mit Sigmund Freud 1913 begründete. Sie wurde in Zürich als erste von drei Töchtern des wohlhabenden Kaufmanns Konrad Arnold Wolff und seiner Frau Anna Elisabetha Sutz geboren. Ihre Familie, eine der angesehensten und ältesten in Zürich, gehörte der Schweizer Reformierten Kirche an. Nach dem Besuch des Lyceums schrieb Toni Wolff sich als Gasthörerin an der Universität Zürich ein und besuchte dort mehrere Jahre lang Vorlesungen über Religionswissenschaft, Philosophie und Mythologie.
Als sie nach dem Tod ihres geliebten Vaters 1909 in Depressionen verfiel, schickte ihre Mutter sie zu C. G. Jung in Behandlung. Dieser entdeckte ihre analytische Begabung und nahm sie 1911 zum Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Weimar mit. Im Laufe ihrer Analyse, die bis 1919 dauerte, entwickelte sich eine Liebesbeziehung zwischen Toni Wolff und C. G. Jung. Sie wurde seine Schülerin, Assistentin und offizielle "Zweitfrau" neben Emma Jung. Anfang der 1930er Jahre, als Toni Wolff zum Ärger Jungs dessen Interesse für Alchemie nicht teilte, kam es zu einer Entfremdung zwischen ihnen. Diese vertiefte sich, als sich nach Jungs Herzinfarkt 1944 die Beziehung zu seiner Frau wieder intensivierte.
Toni Wolff gehörte 1916 in Zürich zu den Gründungsmitgliedern des Psychologischen Clubs, einer Vereinigung der Anhänger von C. G. Jungs Analytischer Psychologie, und amtierte von 1928 bis 1945 als Präsidentin des Clubs.
Sie veröffentlichte neben Einführungen in Jungs "Komplexe Psychologie" - diesen Ausdruck zog sie dem der Analytischen Psychologie vor - auch einen Aufsatz zur Psychologie der Frau auf der Grundlage der Jungschen Typologie. Unter ihrer Mitwirkung prägte Jung die Begriffe "Animus" und "Anima" ebenso wie "Persona".
Obwohl Toni Wolff die letzten Jahre unter schwerer Arthritis litt, führte sie bis kurz vor ihrem Tod Therapien durch. Sie starb an einem Herzinfarkt.