Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Psychoanalytikerinnen in Ungarn

Geschichte

Alice Balint
Charlotte Balkányi
Therese Benedek (Deutschland)
Aranka Böhm
Margit Dubovitz
Judith Dupont (Frankreich)
Izette de Forest (USA)
Edith Gyömröi
Lilly Hajdu
Fanny Hann-Kende
Alice Hermann
Margit Herz (Österreich)
Erzsébet Kardos
Melanie Klein (England)
Vilma Kovács
Barbara Lantos (England)
Klara Lázár-Gerö (Australien)
Kata Lévy
Lucy Liebermann
Magda Ligeti
Vera Ligeti (Österreich)
Margaret Mahler (USA)
Julia Mannheim (England)
Livia Nemes
Erzsébet Révész Radó
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Clara Thompson (USA)
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Lilla Vészi-Wagner
Rosa Walk (Österreich)








1956 übersiedelte sie mit ihrem Mann nach London, wo sie bis in ihr achtzigstes Lebensjahr als Psychoanalytikerin praktizierte. Sie war Mitglied der British Psychoanalytical Society und Lehr- und Kontrollanalytikerin an Anna Freuds Hampstead Clinic. Zu ihren LehranalysandInnen zählte u. a. auch Anne-Marie Sandler. Ihre bekannteste wissenschaftliche Arbeit ist wohl ihr Aufsatz The analysis of a young concentration camp victim (1963). Darin berichtete sie über den Fall einer Jüdin, die in einer Kindergruppe das KZ Auschwitz überlebt hatte und als Jugendliche unter Identitätsstörungen litt. Edith Gyömröi schrieb im Laufe ihres Lebens auch Gedichte, Erzählungen und Romane.



Lilly Hajdu plädierte bereits früh für die Ergänzung der Einzelanalyse durch eine Familien- und Gruppentherapie. Einen Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeit bildete die Entstehung und Heilung von Schizophrenie. Sie war eine der ersten, die einen Ursachenzusammenhang zwischen der psychodynamischen Konstellation einer Familie und der Entstehung von Schizophrenie erkannte. In ihrem 1940 erschienenen Aufsatz Contributions to the etiology of schizophrenia stellte sie die These auf, dass eine der Ursachen von Schizophrenie in traumatischen Hungererfahrungen im Säuglingsalter zu suchen sei. Sie hob die Rolle zweier wichtiger Entstehungsfaktoren für die Schizophrenie hervor: den kalten sadistischen Charakter der Mutter und die passive Indifferenz des Vaters.
Nach Hajdus Ansicht kann die Schizophrenie durch Psychoanalyse geheilt werden, sofern man dabei die Erkenntnisse Sándor Ferenczis berücksichtigt. In einem ihrer Aufsätze (1933) beschrieb Lilly Hajdu die wichtigsten Komponenten der psychoanalytischen Behandlung von Schizophrenen, ausgehend von Anna Freuds Konzeption einer Analogie zwischen psychotischem Agieren und Kinderspielen sowie von Ferenczis Gedanken über die Periode der magischen Allmacht der Gebärden.



1938 emigrierte Fanny Hann-Kende in die USA und wurde 1943 Mitglied und 1948 Lehranalytikerin der New York Psychoanalytic Society and Institute. Von 1948 an bis zu ihrem Tod war sie außerdem an der Columbia-Universität in der Psychiatrie und der Psychoanalytic Clinic for Training and Research tätig. Zu ihren Lehranalysandinnen zählte damals Ruth Easser.
Fanny Hann-Kende starb kurz vor ihrem 61. Geburtstag an Darmkrebs.







Mit dem Erstarken des Faschismus in Ungarn begann der Exodus der ungarischen PsychoanalytikerInnen. Nachdem ihre Tochter Alice Balint drei Monate nach ihrer Flucht nach England gestorben war, folgte Vilma Kovács 1940 einer Einladung von Marie Bonaparte nach Paris, kehrte jedoch noch im gleichen Jahr nach Budapest zurück. Körperlich und seelisch mitgenommen, erkrankte sie an einem Nierenleiden und starb im Alter von 56 Jahren.













Wegen einer schweren Erkrankung ihres Mannes litt Lillian Rotter in ihren letzten Lebensjahren unter Depressionen. Sie überlebte ihn um zwei Jahre und starb mit 85 Jahren an Altersschwäche.





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