Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Psychoanalytikerinnen in Österreich

Geschichte

Anny Angel-Katan
Gottfriede Aufreiter
Grete Bibring-Lehner
Hedwig Bolterauer
Berta Bornstein
Steff Bornstein (CSR)
Marie Briehl
Dorothy Burlingham
Edith Buxbaum
Erika Danneberg
Julia Deming
Frances Deri (Deutschland)
Helene Deutsch
Rosa Dworschak
Ruth Eissler-Selke
Hedda Eppel
Liselotte Frankl (England)
Anna Freud
Kate Friedländer (England)
Muriel Gardiner
Elisabeth Geleerd-Loewenstein
Tea Genner-Erdheim
Berta Grünspan (Israel)
Salomea Gutmann-Isakower
Dora Hartmann
Mary O'Neil Hawkins (USA)
Margit Herz-Hohenberg
Margarethe Hilferding
Hedwig Hoffer-Schaxel
Hermine Hug-Hellmuth
Rosetta Hurwitz
Edith B. Jackson (USA)
Salomea Kempner (Deutschland)
Judith Kestenberg
Melanie Klein (England)
Flora Kraus
Marianne Kris
Jeanne Lampl-de Groot (Niederlande)
Marie Langer (Lateinamerika)
Estelle Levy
Vera Ligeti
Ruth Mack Brunswick
Anna Mänchen-Helfen
Margaret S. Mahler (USA)
Esther Menaker (USA)
Emmy Miklas
Caroline Newton (USA)
Christine Olden
Else Pappenheim
Lili Peller-Roubiczek
Maria W. Piers
Beata Rank
Annie Reich
Eva Rosenfeld
Melitta Sperling
Editha Sterba
Josefine Stross
Lia Swarowsky
Emmy Sylvester
Rosa Tanco-Duque
Frida Teller
Gertrude Ticho
Jenny Wälder-Hall
Rosa Walk

Wegen der politisch und ökonomisch instabilen Situation in Europa wanderten die Aufreiters 1954 nach Kanada aus und ließen sich in Montreal nieder. Sie wurden Mitglieder und Lehranalytiker der British Psychoanalytical Society (BPAS), unter deren Schirmherrschaft sie 1955 zusammen mit dem ehemaligen BPAS-Präsidenten W. Clifford M. Scott in Montreal ein Lehrinstitut der Canadien Psychoanalytic Society aufzubauen begannen. In Ermangelung kanadischer Lehranalytiker erhielten alle KandidatInnen damals ihre Ausbildung bei Scott oder den Aufreiters. 1971 zog Friedl Aufreiter mit ihrem Mann nach London, Ontario, wo sie im Alter von 87 Jahren starb.





1946 zog Marie Briehl mit ihrem Mann nach Los Angeles und wurde Mitglied und Lehranalytikerin des Southern California Psychoanalytic Institute. Sie führte Analysen mit Kindern und Erwachsenen durch und leitete das Child Analysis Committee. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1982 gründete sie die Walter Briehl Human Rights Foundation und organisierte 1984 eine internationale Konferenz.
Marie Briehl starb im Alter von 96 Jahren an Herzversagen.


Weitere Schwerpunkte Dorothy Burlinghams waren die Erforschung der psychischen Situation von Zwillingen und die psychoanalytische Arbeit mit blinden Kindern. Sie richtete 1954 in der Hampstead Child Clinic einen Kindergarten für blinde Kinder ein sowie eine Beratungsstelle für Eltern blinder Babys und führte in den folgenden Jahren Forschungsprojekte zu blinden Kindern durch. In ihren 1972 unter dem Titel Psychoanalytic Studies of the Sighted and the Blind erschienenen Aufsätzen setzte sie sich mit der Funktion der visuellen Wahrnehmung beim Aufbau der Persönlichkeit eines Kindes auseinander.


Universelle Lernstörungen, die auch Verhaltensprobleme einschließen, begriff Buxbaum als eine gestörte Ich-Funktion, die in einer teilweise symbiotischen Beziehung zwischen Mutter und Kind begründet ist. Ihrer Ansicht nach befindet sich das auffällige Kind in einem unaufhörlichen Liebeskampf mit seiner Mutter. Ihre These veranschaulichte sie u. a., indem sie einen Zusammenhang zwischen Lesestörungen und unterdrückten Aggressionen aufzeigte.
Edith Buxbaum starb in Seattle an einem Eierstockkrebs.



Nach dem "Anschluss" Österreichs wurde Julia Deming vorübergehend von den Deutschen festgenommen und beteiligte sich nach ihrer Freilassung an der Rettung von Sigmund und Anna Freud. 1938 kehrte sie nach Boston zurück. Sie war Lehranalytikerin, Schatzmeisterin und Vizepräsidentin der Boston Psychoanalytic Society and Institute und praktizierte als Psychiaterin u. a. am Philadelphia General Hospital und am Massachusetts Mental Health Center. Sie starb im Alter von 76 Jahren in Philadelphia.


Neben ihren Arbeiten über die weibliche Sexualität beschäftigte sich Helene Deutsch auch mit der Kinderanalyse, den Problemen von Jugendlichen und mit dem Konzept der inauthentischen oder "Als-ob-Persönlichkeit". Sie publizierte bis in ihr hohes Alter und erregte Anfang der 1970er Jahre Aufsehen, als sie im Arztkittel an einer Anti-Vietnam-Demonstration teilnahm. Helene Deutsch starb mit 97 Jahren in Cambridge, Mass.



1948 übersiedelte Ruth Eissler-Selke mit ihrem Mann nach New York und wurde dort Mitglied und Lehranalytikerin der New York Psychoanalytic Society. Von 1957 bis 1959 hatte sie das Amt der Vizepräsidentin der IPA inne, und von 1950 bis 1985 war sie Mitherausgeberin der Zeitschrift The Psychoanalytic Study of the Child.
Neben psychoanalytischen Arbeiten schrieb Ruth Eissler-Selke auch Gedichte, die 1976 unter dem Titel Gezeiten veröffentlicht wurden. Zeitgeschichtliches floss in ihren 1946 erschienenen Fallbericht einer schizophrenen Frau ein, die unter dem Wahn litt, gegen ihren Willen als Nazi-Spion missbraucht zu werden.



Sie entwickelte für die Arbeit mit Kindern ein diagnostisches Schema, das "metapsychologische Entwicklungsprofil", mit dem die normale oder abnormale Enwicklung eines Kindes beurteilt werden konnte. Ergebnis ihrer Arbeit an der Hampstead Clinic bildet ihr Buch Wege und Irrwege in der Kinderentwicklung.
Von 1944 bis 1949 wiederum Sekretärin, danach Vizepräsidentin der IPV und ab 1945 Mitherausgeberin der Zeitschrift The Psychoanalytic Study of the Child, setzte Anna Freud sich für die offizielle Anerkennung der Kinderanalyse durch die Standesorganisation ein. Während der 1960er Jahre hielt sie Gastvorlesungen und Vorträge in den USA, wo sie ihre größten Erfolge verzeichnete.
Seit 1975 litt Anna Freud an einer unerklärlichen kräftezehrenden Eisenmangelanämie. Im Oktober 1982 starb sie nach einem Gehirnschlag im Schlaf.


Ihre Hauptaufgabe sah sie in der psychiatrischen Beratungstätigkeit an Schulen und in Jugendgefängnissen. Ihre Arbeit mit inhaftierten Kindern beschrieb sie in ihrem erfolgreichen populärwissenschaftlichen Buch Mörder ohne Schuld. Wenn Kinder töten. Muriel Gardiner spendete einen großen Teil ihres Vermögens der psychoanalytischen Bewegung. Unter anderem unterstützte sie Anna Freuds Hampstead Clinic, das Londoner Freud-Museum und das von Kurt R. Eissler gegründete Freud-Archiv.



Tea Genner-Erdheim war eine Anhängerin der Ich-Psychologie Heinz Hartmanns und plädierte früh schon für die psychotherapeutische Arbeit mit Gruppen. 1962 irritierte sie ihre Wiener KollegInnen mit einer vom Sujet wie von der Vortragsform her unkonventionellen Interpretation des Brecht-Songs Surabaya Johnny, den sie als Metapher der frühen Objektbeziehung deutete. In einem anderen Vortrag über Conrad Ferdinand Meyer setzte sie sich mit der Psychologie des Künstlers auseinander. Ihre Arbeiten blieben jedoch unveröffentlicht.
Als Analytikerin beliebt und angesehen und von ihren AnalysandInnen wie z. B. Erika Danneberg sehr verehrt, erscheint Tea Genner-Erdheim in den Aufzeichnungen ihrer Tochter, der Schriftstellerin Claudia Erdheim (Bist du wahnsinnig geworden?), privat eher als neurotische Tyrannin im Widerspruch zwischen Unkonventionalität und Standesdünkel.


Salomea Isakower wurde Mitglied der British Psycho-Analytical Society und gründete Ende 1938 gemeinsam mit ihrem Mann, Michael Balint und Alfred Gross in Liverpool eine Studiengruppe für Psychoanalyse. Trotz der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Michael Balint und dem Manchester Training Center gestaltete sich ihre berufliche Situation in Liverpool sehr schwierig, und so wanderten die Isakowers 1940 in die USA aus. Salomea Gutmann-Isakower wurde 1941 Mitglied, dann Lehr- und Kontrollanalytikerin der New York Psychoanalytic Society und führte in New York eine psychoanalytische Privatpraxis.



Im Juni 1938, nach dem "Anschluss" Österreichs an Deutschland, heiratete Margit Herz den Wiener Vertreter Bruno Hohenberg (1894-1954). Mit Hilfe von Grete Bibring, die bereits in London war, konnte sie mit ihrem Mann nach England emigrieren. Ein Jahr später wanderte sie in die USA aus, wurde Mitglied der New York Psychoanalytic Society und eröffnete in New York eine psychoanalytische Praxis. Einem breiteren Publikum wurde sie als Analytikerin von Marilyn Monroe bekannt, die von 1955 bis 1957 bei ihr in Behandlung war.
Nach dem Tod ihres Mannes ging Margit Hohenberg-Herz nach Israel und praktizierte von 1959 bis 1964 in Haifa. 1988 kehrte sie wieder nach New York zurück, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.





Zurück in New York arbeitete Rosetta Hurwitz als Lehrerin und Kindertherapeutin und setzte sich für die Verankerung der Psychoanalyse in der Ausbildung von LehrerInnen ein. Sie war Mitarbeiterin am Mount Sinai Hospital und unterrichtete an der New School for Social Research. Als "Laienanalytikerin" ohne medizinische Ausbildung erhielt sie wie ihre Schwester Marie Briehl 1930 nur einen Gaststatus in der New York Psychoanalytic Society, der ihnen beiden später jedoch wieder entzogen wurde.







Wegen psychosomatischer Magen- und Gallenbeschwerden nahm Ruth Mack Brunswick seit den 1930er Jahre Schlafmittel und Morphium, was schließlich zu einer Drogenabhängigkeit führte. Deprimiert durch Krankheit, den Tod ihrer Eltern und die endgültige Scheidung von Mark Brunswick im Jahr 1945, machte sie in New York noch einmal eine Analyse bei Hermann Nunberg. Im Januar 1946 stürzte sie so unglücklich, dass sie an einem Schädelbruch starb.


Anna Mänchen wurde Mitglied und Lehranalytikerin der San Francisco Psychoanalytic Society, deren Präsidentin sie von 1955 bis 1957 war. Sie zählte dort zu den einflussreichsten Kinderanalytikerinnen aus der Schule Anna Freuds und spielte eine wichtige Rolle beim Aufbau der Kinderanalyse in San Francisco. Bis 1968 lehrte sie an der School of Social Welfare der Universität Berkeley. 1973/74 amtierte sie als Präsidentin der Association of Child Analysis.









Als Mitglied der British Psycho-Analytical Society gehörte Eva Rosenfeld der sog. Mittelgruppe an. Sie eröffnete eine Praxis in Oxford, hielt Vorträge und Referate und führte Lehranalysen durch. Die Stärke Eva Rosenfelds, die eine inspirierende Lehrerin und mitreißende Rednerin war, lag weniger in der Theorie als in der Therapie und der Ausbildung von Psychotherapeuten. Ihre analytische Methode bestand aus einer Mischung aus klassisch freudianischem Vorgehen und kleinianischen Techniken.




In ihren Kursen und Seminaren bemühte sich Josefine Stross, die selbst nie als Psychoanalytikerin praktizierte, besonders um das Verständnis der schwierigen Mutter-Kind-Beziehung in den ersten beiden Lebensjahren des Kindes. Nach dem Tod von Anna Freud zog sie sich aus ihrer beruflichen Arbeit zurück. Ihre wissenschaftlichen Aufzeichnungen blieben unveröffentlicht.







Ab 1944 war sie Mitarbeiterin am Baltimore-Washington Psychoanalytic Institute, wo sie als Anhängerin Anna Freuds die Ideen von Harry Stack Sullivan bekämpfte. Von 1950 bis 1954 lehrte sie auch in der Philadelphia Association for Psychoanalysis, die auf ihr Betreiben hin 1961 eine Abteilung für Kinderanalyse einrichtete. Außerdem beteiligte sie sich an der Gründung der Association for Child Analysis in Michigan und am Aufbau des psychoanalytischen Lehrinstituts in Miami, Florida.
Ende der 1970er Jahre zog Jenny Waelder-Hall nach Florida, wo sie im Alter von 90 Jahren nach einem Schlaganfall starb.



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