Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Geschichte der Psychoanalyse in Italien

Biografien

Die Entwicklung seit den 1960er Jahren

Die italienische Psychoanalyse brachte keine eigene Denkschule hervor und übte wenig Einfluss auf die intellektuellen Milieus Italiens aus, in denen marxistisches Denken vorherrschte. So berief sich Franco Basaglia, der italienische Vertreter der Antipsychiatrie, auf marxistische Denktraditionen, während er die Psychoanalyse als kapitalistisches Anpassungsinstrument verwarf. Erst in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre bahnte sich ein konstruktiver Dialog zwischen Marxismus und Psychoanalyse an.
Nach den institutionskritischen Turbulenzen der 1960er und 1970er Jahre - aufseiten der Kritiker besonders Enzo Morpurgo und Giovanni Jervis - entstanden unabhängig von den drei Lehrinstituten der SPI in allen größeren Städten Italiens psychoanalytische Zentren: neben den ersten Zentren in Rom und Mailand auch in Bologna, Florenz, Palermo, Neapel, Venedig, Genua und Turin (SPI-Zentren). Anfang der 1990er Jahre umfasste die SPI rund 500 Mitglieder. Neben der SPI bildeten sich die Associazione di Studi Psicoanalitici (ASP), seit 1989 Mitglied der International Federation of Psychoanalytic Societies (IFPS), und die Associazione Italiana di Psicoanalisi (AIPsi), die sich 1992 von der SPI abspaltete und ein Jahr später von der IPA anerkannt wurde. Zu ihren Gründungsmitgliedern zählten Emilio Servadio und Jacqueline Amati-Mehler.

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